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Sommersemester 2019

Das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch beruht bekanntermaßen auf dem römischen Recht, vor allem im Schuldrecht, im Mobiliarsachenrecht und Erbrecht. So sind nicht nur die wesentlichen Prinzipien des Privatrechts wie etwa die Grundsätze von Treu und Glauben, der Privatautonomie oder des Vertrauensschutzes und die privatrechtlichen Institute Schöpfungen der römischen Jurisprudenz, sondern es lassen sich auch unzählige Details der gesetzlichen Regelung auf römische Rechtstexte zurückführen. Freilich kodifiziert das BGB das römische Recht in der Form, wie es Ende des 19. Jh. an den Universitäten wissenschaftlich gelehrt wurde. Die Vorlesung beschäftigt sich mit der Herkunft dieser Rechtsfiguren, die anhand von konkreten Fallösungen entwickelt wurden und wegen ihrer Überzeugungskraft gleichsam überzeitliche Gültigkeit besitzen. Hierzu werden ausgewählte römische Rechtstexte – die den Studierenden samt Übersetzung zur Verfügung gestellt werden – interpretiert. Dabei wird sich der Charakter des klassischen römischen Rechts als einer mittels des kontinuierlichen Diskurses der Juristen in einem weitgehend gesetzesfreien Raum entwickelten Rechtsordnung erweisen.

 

Gliederung

Stunde 1 Quellen

Quellentexte  S. 1-20

Obligationen

Adjektizische Klagen

Die Vorlesung will die Rechtsordnungen des Altertums, die sich im Umkreis des Mittelmeers entwickelt haben, die Bedingungen und Voraussetzungen ihrer Erforschung darstellen. Beginnend mit den ältesten rechtlichen Schriftdenkmälern, den Keilschriftrechten des Zweistromlandes, soll ein Bogen über Ägypten hin zu den Rechten des archaischen und klassischen Griechenlands sowie zum jüdischen Recht gezogen werden. Einen weiteren Schwerpunkt werden die Wechselwirkungen zwischen dem Recht des römischen Kaiserreichs und den provinzialen Gewohnheiten bilden.

 

Gliederung

Gesetze Esnunna Hammurapi

Gesetze Urnamma

Gesetze Hammurapi §§ 165-170

Urkunden

Die Abschlussklausur findet am 22.7.2019, 14:00 – 17:00, Audimax und KH 2.020 statt: eine Stunde Familienrecht,

eine Stunde Erbrecht.

Es ist eine Anmeldung über mein Campus erforderlich.

Studierende mit Studienbeginn vor dem WS 2015/16 melden sich bitte über StudOn an.

 

Stunde 1

Gliederung S. 1-2

Ehegatten Erbrecht Zugewinn

Erbrechtliche Grundbegriffe

Stunde 2

Gliederung S. 3-4

Die Testamentsprüfung

Gewillkürte Erbfolge Übersicht

 

Gliederung S. 1-17

 

 

Die Veranstaltung richtet sich als vorlesungsbegleitendes Angebot an alle Studierenden des Erbrechts. Alle dort behandelten Themenbereiche werden anhand eines Falles vertieft. Die Fälle sind dabei auf eine zweistündige gemeinsame Besprechung ausgelegt. Im Vergleich zu den erbrechtlichen Fällen, die in der PÜ Familien- und Erbrecht besprochen werden, haben die Fälle einen größeren Umfang. Sie dienen daher nicht mehr (ausschließlich) der gezielten didaktischen Vermittlung der unbedingt erforderlichen Grundlagen, sondern stellen bereits die erste Vertiefung dar. Zum erfolgreichen Bestehen der erbrechtlichen Klausur im Sinne von § 8 II Nr. 1 f., III S. 4 der Studienordnung sind sie nicht erforderlich. Sie sind vielmehr für alle Studierenden konzipiert, die sich jenseits der unbedingt erforderlichen Grundlagen vertiefter mit den erbrechtlichen Regelungsbereichen vertraut machen möchten, was nicht zuletzt aufgrund der nicht geringfügigen Examensrelevanz des Faches sinnvoll erscheint. Die Veranstaltung ermöglicht es, das in PÜ und Vorlesung erworbene Wissen, am „großen Fall“ zu vertiefen. Sie ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass in einem bloß einstündigen Teil der gemeinsamen PÜ Familien- und Erbrecht zwingend Abstriche in Ausführlichkeit und Genauigkeit zu machen sind.

Hier finden Sie den Terminplan.

Stunde 1

Pflichtteilsrecht SV

Pflichtteilsrecht Lösung

Stunde 2

Pflichtteil des Ehegatten SV

Pflichtteil des Ehegatten Lösung

Pflichtteilsverzicht SV

Pflichtteilsverzicht Lösung

Stunde 3

Testamentserrichtung und Auslegung SV

Testamentserrichtung und Auslegung Lösung

Stunde 4

Erbengemeinschaft SV

Erbengemeinschaft Lösung

Stunde 5

Gemeinschaftliches Testament, Grundlagen SV

Gemeinschaftliches Testament, Grundlagen Lösung

Stunde 6

Erbschafts-EBV SV

Stunde 7

Anfallprinzip SV

Anfallprinzip Lösung

Stunde 8

Erbvertrag SV

Erbvertrag Lösung

Stunde 9

Übungsklausur SV

Plinius d. J. – der Anwalt als Schriftsteller

Der jüngere Plinius ist in der Geschichte der lateinischen Literatur vor allem als Verfasser eines umfangreichen Briefcorpus bekannt. Als Angehöriger der römischen Nobilität war er aber nicht nur Schriftsteller, sondern Politiker, Redner, Anwalt, Heerführer – und Connoisseur. Sein Briefwechsel mit Kaiser Trajan ist zudem eines der wichtigsten frühen Zeugnisse für repressive Maßnahmen gegen Christen. Im Seminar wollen wir uns – nach einer Einführung zu Leben und Werk sowie dem historischen Umfeld seines Wirkens – insbesondere mit den Texten beschäftigen, in denen Plinius als Anwalt, sei es vor dem Zentumviralgericht oder im Senat auftritt, in denen er als Richter, Konsul, Statthalter oder privater Rechtsratgeber fungiert oder in denen er Verhandlungen vor dem Senat kundig kommentiert. Zudem sollen weitere Aspekte seiner „Persönlichkeit“ erörtert werden, etwa seine Art der Selbstdarstellung und -stilisierung. Damit entsteht ein lebendiges Bild sowohl eines praktisch tätigen Rechtskundigen als auch aktueller Rechtprobleme an der Wende vom 1. zum 2. Jh. n.Chr. – der Zeit der beginnenden Hochblüte der klassischen Jurisprudenz.
Für Studierende des Studiengangs Rechtswissenschaft besteht die Möglichkeit zur Anfertigung der „studienbegleitenden Arbeit“.
Teilnahmeinteressierte wenden sich bitte an Maria Kietz, Jeannine Url, Jan Gadinger oder Prof. Dr. Hans-Dieter Spengler.

 

Hinweis insbesondere für Teilnehmer, die im Rahmen des Seminars die „studienbegleitende Arbeit“ verfassen möchten

Da im Zentrum des Seminars die Interpretation lateinischer Primärquellen steht, seien sie juristischer oder literarischer Art, sind Grundkenntnisse der lateinischen Sprache unabdingbare Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar. Ferner muss damit gerechnet werden, dass einschlägige Literatur zur Thematik nicht ausschließlich auf deutsch existiert, sondern auch in den führenden europäischen Fachwissenschaftssprachen (d. h. in italienischer, englischer oder französischer Sprache). Auch sollte sich im Vorfeld mit der Technik der Quellenexegese und der Literaturrecherche beschäftigt werden, um hierdurch auftretende Probleme zu vermeiden.
Bitte bedenken Sie:
Die studienbegleitende Arbeit ist eine Examensleistung und geht in die Note der Juristischen Universitätsprüfung (und damit in die Note Ihrer „Ersten Juristischen Prüfung“) ein.
Das bedeutet: Wer eine studienbegleitende Arbeit verfassen möchte, ohne zuvor Erfahrung mit der Exegese rechtshistorischer Texte – am besten durch die Teilnahme an einem einschlägigen Proseminar oder Seminar – gesammelt zu haben, solllte sich bewusst sein, dass einmal „bestandene“ studienbegleitende Arbeiten nicht zur Notenverbesserung wiederholt werden können.
Abschließender Hinweis für bereits angemeldete Teilnehmer: Sollten diesbezüglich Fragen auftauchen, wenden Sie sich an Jan Gadinger oder Maria Kietz.
Merkblatt für die Anfertigung der studienbegleitenden wissenschaftlichen Arbeit

Der römische Prinzipat – eine Kryptomonarchie?

Maria Kietz

Augustus, der erfolgreiche Nachfolger Caesars, wird heute sowohl in Forschung wie in populären Darstellungen als der erste „Kaiser“ tituliert, obwohl er selbst von sich behauptete, nach den Wirren der Bürgerkriege die „Republik“ wiederhergestellt zu haben, und sich dementsprechend auch weder als König noch Dictator, sondern lediglich als „princeps“, d.h. in etwa als „Erster Bürger“ bezeichnete. Die konkreten, auch die „Verfassung“ des römischen Gemeinwesens betreffenden Maßnahmen seiner mehr als 40jährigen Regierungszeit waren dabei nach zwei Seiten hin äußerst effektiv: zum Einen waren sie – entgegen denen Caesars, welchem seine Politik die Ermordung durch seine Standesgenossen einbrachte – so minimalinvasiv, daß sie auf die Akzeptanz der Senatoren trafen, zugleich aber garantierten sie – zum Zweiten – einen stabilen inneren Frieden, welcher langfristig in eine offen autokratische Regierungsform mündete. Die im Proseminar erfolgende Diskussion dieses konkreten Problems historisch-verfassungsrechtlicher Urteilsbildung umfasst unterschiedliche Aspekte: zunächst ganz allgemein die Bedeutung, welche legislativ beschlossene Veränderungen im Kontext traditionell, d.h. gesellschaftlich festgeschriebener Praxis „politischen Handelns“ vormoderner Gesellschaften überhaupt haben konnten, und inwiefern ein solches Gemeinwesen durch eine sich wechselseitig beeinflussende Entwicklung beider Bereiche eine Veränderung seiner Verfaßtheit erfahren konnte. Da schließlich Bezeichnungen wie „Republik“, „Prinzipat“ oder „Monarchie“ sprachliche Kurzformeln für historische Urteile sind, welche jeweils der beurteilenden Zeit angehören, und sich somit u.U. stark von den Auffassungen der beurteilten Zeit unterscheiden (also beispielsweise die römische Selbstbezeichnung als res publica als Begriff absolut nicht mit unserem heutigen einer „Republik“ gleichzusetzen ist), wird auch ein Augenmerk auf der Darstellung dieser geistesgeschichtlichen Zusammenhänge sowie der historischen Methodik der Beurteilung liegen, welche viele Parallelen zum juristischen Urteilen aufweist. Nach einer Einführung in die generelle Methodik des wissenschaftlichen Arbeitens sowie Hinweisen zu den Anforderungen der Proseminararbeit widmen sich die thematisch einführenden Sitzungen dem Aufbau der römischen Gesellschaft sowie dem darin herrschenden Wertesystem generell, bevor ein kurzer historischer Überblick über die Ereignisse der Epoche sowie die zu diskutierenden Quellen und Recherchemöglichkeiten gegeben wird. Für die individuelle schriftliche Bearbeitung Ihres Themas erhalten Sie vier Wochen Zeit; nach Abgabe und Korrektur der schriftlichen Arbeiten sowie einer verpflichtenden, den Vortrag vorbereitenden Konsultationssitzung stellen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Thema in einem Referat im Rahmen einer Blockveranstaltung vor.

Internet und Recht

Jeannine Url

Das „Internetrecht“ zeichnet sich durch Besonderheiten aus, welche es in Kontrast mit anderen etablierten Rechtsgebieten bringt. Es ist kein eigenes Rechtsgebiet, sondern bildet die Schnittstelle aller Rechtsgebiete, welche das Internet betreffen, vor allem Medienrecht und Telekommunikationsrecht stehen hier im Vordergrund. Das PS „Internet und Recht“ dient als Einführung in dieses große, teilweise unbekannte Terrain mit all seinen Besonderheiten. Berührungspunkte bilden hierbei neben der Geschichte (Entwicklung vs. Recht/Internetgesetzgebung) das Domainrecht, E-Commerce sowie Telemedien. Aufgehangen sollen die Themen an Rechtsprechungen werden, um dem rechtlichen Charakter hierbei gerecht zu werden und diesen in den Mittelpunkt zu stellen. Innerhalb des PS erhalten Sie zunächst eine Einführung in die generelle Methodik des wissenschaftlichen Arbeitens, Hinweise zu den Anforderungen der Proseminararbeit sowie Hilfestellungen zu deren Anfertigung sowie ein Vortragstraining, bevor in einer Hinführung Seminar gemeinsam erarbeitet werden. Als Themen für die Proseminararbeit werden einzelne zu analysierende Urteile vergeben; für deren individuelle schriftlichen Bearbeitung erhalten Sie vier Wochen Zeit. Während der Ausarbeitung finden außer einer fakultativen gemeinsamen Sitzung, in welcher Gliederung und Vorgehensweise, ggf. auch Probleme im Kreis der Seminarteilnehmer diskutiert werden können (Termin hierfür wird im Rahmen des PS festgelegt), keine Proseminartermine statt. Selbstverständlich besteht darüber hinaus auch stets die Möglichkeit einer individuellen Konsultation. Nach Abgabe und Korrektur der schriftlichen Arbeiten stellen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Thema in einem Referat im Rahmen einer Blockveranstaltung vor. Die Teilnahme an allen Seminarsitzungen ist verpflichtend. Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung (jeannine.url@fau.de).